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Der Regen hat eingesetzt, aber die meisten Felder liegen brach, weil die Menschen zu Hunderttausenden in UN-Flüchtlingslagern Schutz suchen vor den mordenden und plündernden Truppen von Kiir und Machar, die seit Dezember ihren Machtkampf austragen. Zur Erntezeit sind dann die Felder leer, und etwa 4 Mio. Menschen sind vom Hunger bedroht. Hilfsorganisationen treffen schon Vorbereitungen, aber so viele Menschen aus der Luft zu ernähren –Straßen sind rar, schlecht und unsicher – ist ein riesiges und teures Unterfangen. Die Republik Südsudan begeht heute den 3. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit vom Sudan.
Die langjährigen politischen Rivalen, Präsident Kiir und sein früherer Vize Machar, wollen die Waffen schweigen lassen und binnen 60 Tagen eine Übergangsregierung bilden. Seit der Eskalation des Machtkampfes Mitte Dezember sind Tausende umgekommen und eine Million auf der Flucht. Das Abkommen, nach mehrfach gescheiterten Waffenruhen, ist unter Druck des äthiopischen Präsidenten Desalegn zustande gekommen.
Im norwegischen Oslo findet heute eine internationale Geberkonferenz für den Südsudan statt. Durch die blutigen Gefechte zwischen dem Präsidenten und seinem früheren Vize ist das junge Land in Chaos versunken. Es droht eine ernste Hungersnot und unvorstellbares Elend für fast fünf Millionen Menschen. Vertreter von 40 Staaten und 50 Organisationen suchen eine Lösung aus der Krise, mehr Fördermittel und ein besseres Umfeld, diese an die Betroffenen heranzubringen. Sofort benötigt werden 800 Mio. Dollar.
Der Waffenstillstand zwischen Kiir und Machar fing kurz nach Unterzeichnung an zu bröckeln. Es folgten weitere Gefechte. Für die Flüchtlinge in provisorischen Lagern, die über schlammige Straßen und bombardierte Flugzeug-Landepisten nicht mehr erreicht werden können, ist der Abwurf von Hilfsgütern aus der Luft die einzige Rettung. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) und OXFAM sind bereits aktiv und bitten um weitere Hilfe, um die neue Hungerkatastrophe abzuwenden. Neben Nahrungsmitteln sollen auch Saatgut und Fischernetze für einen Neustart verteilt werden.
Zum ersten Mal seit Beginn der Kämpfe wollen sich Präsident Kiir und Machar heute in Addis Abeba treffen, um über einen Frieden zu verhandeln. Amnesty International wirft beiden „gezielte Angriffe“ auf die Zivilbevölkerung und unvorstellbare Gräueltaten vor. Ban Ki Moon, so wie US-Außenminister Kerry vor ihm, hatte starken Druck auf die Kriegsherren ausgeübt, während die Nachbarstaaten Vermittlung und Unterstützung angeboten haben.
Die Konfliktparteien haben sich in Addis Abeba geeinigt, zwischen 7. Mai und 7. Juni die Waffen ruhen zu lassen, damit zu Beginn der Regenzeit die Farmer ihre Felder bestellen können. Die Konsequenz eines totalen Ernteausfalls ist nicht auszudenken. Auch sind Hilfskorridore aus Äthiopien, Kenia und Sudan geplant, um die Bevölkerung des landumgebenen Südsudan zu versorgen. Trotz der erwarteten Entspannung sind in den letzten 72 Stunden 11,000 Südsudanesen über die äthiopische Grenze geflohen, als Regierungstruppen die Rebellenhochburg Nasir eroberten.
Der US-Außenminister Kerry warnt vor einem „Völkermord“, wenn die Konfliktparteien sich nicht einigen und Hassreden und Vergeltungsmorde aufhören. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navy Pillay ist „schockiert“ über die sich abzeichnende Hungerkatastrophe, wenn eine Million Menschen gerade während der Aussaatzeit auf der Flucht sind. Sieben Millionen droht der Hunger und, laut UNESCO, könnten 50,000 Kleinkinder dieses Jahr an Unterernährung sterben.
Die Hoffnungen vor knapp drei Jahren sind geschwunden. Präsident Kiir hat plötzlich seinen Armeechef James Hoth Mai entlassen. Die neueren Rückschläge des Militärs könnten Grund dafür sein. Die Massaker eskalieren. Bei einem Angriff auf einen UN-Stützpunkt in Bor, wo tausende Flüchtlinge Zuflucht gesucht hatten, wurden 58 Menschen getötet. Hundert starben bei Streitigkeiten um Rinderherden, die bei dem Waffenüberfluss immer blutiger werden. Die schlimmsten Gräueltaten ereigneten sich nach der Einnahme der Ölstadt Bentiu, wo hunderte Menschen in Moschee, Kirche und Krankenhaus gezielt ermordet wurden. Der seit Mitte Dezember anhaltende Machtkampf zwischen Präsident Kiir und dem 2013 entmachteten Machar hat eine Million in die Flucht getrieben.
Einst Vize-Präsident, jetzt Anführer der Rebellen, Riek Machar, drohte, die Hauptstadt Juba einzunehmen und die reichen Ölfelder um Bentiu unter seine Kontrolle zu bringen. Erst wenn Präsident Salva Kiir gestürzt ist, wäre ein Ende des Bürgerkrieges in Sicht. In dem seit Dezember schwelenden Krieg sind mehrere Tausend Menschen getötet worden. Fast eine Million musste fliehen.
Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ ist tief besorgt über die schockierende Gleichgültigkeit der UN-Truppen (UNMISS) den Flüchtlingen in Juba gegenüber, die seit Ausbruch der Gewalt Schutz im UN-Lager suchen. Man müsse nicht nur Gewalt, sondern auch Epidemien von den Vertriebenen fernhalten. Das ohnehin sumpfige Gelände ist mit Beginn der Regenzeit, wenn hunderte Latrinen überschwemmt werden, ein wahre „Todesfalle“.
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