Zehn Monate nach der Unabhängigkeit gibt es immer noch keine klare Demarkationslinie. Die Menschen in den Grenzstaaten leben in ständiger Angst vor Bomben und Milizen. Die Regierung in Khartum soll die Verteilung von Lebensmitteln und das Errichten von Flüchtlingslagern verboten haben. Mitglieder des katholischen Klerus und der humanitären „Sudan-Aid“ sind im Hilfsprozess verhaftet worden. Caritas ist besorgt um etwa eine halbe Million Südsudanesen, die noch im Norden leben. Sie müssen entweder die sudanesische Staatsbürgerschaft annehmen oder nach Südsudan zurück kehren. Das Rückkehr Ultimatum wurde wieder verschoben.
Juba beschuldigt Khartum, zwei Ölanlagen bombardiert und Truppen und Waffen in das schlecht definierte Grenzgebiet gebracht zu haben. Zwei MIG Flugzeuge hätten sechs Bomben über Unity State abgeworfen und so den Nichtangriffspakt vom letzten Monat verletzt. Khartum weist die Vorwürfe zurück.
Für etwa 700,000 Rückkehrer läuft die Frist ab. Bis 8. April sollen sie nach Südsudan umgesiedelt sein. Doch will Khartum keine Lastkähne auf dem Weißen Nil zulassen, aus Angst, dass sich Kämpfer ins Grenzgebiet einschleusen könnten. Für Bahn, Straße und Luft ist der Andrang zu groß, so dass sich eine Katastrophe abzeichnet. Die Spannung wächst, besonders da kurz nach der Unterzeichnung des Nichtangriffspakts wieder Bomben auf Südsudan fielen.
Während verschiedenen Gruppen in der entlegenen Unity Provinz sich um Beilegung der ethnischen Kämpfe der letzten Woche bemühten, kamen in einer Schießerei 37 Menschen ums Leben. Ein Konflikt zwischen den Provinzen Unity und Warap soll der Anlass gewesen sein.
Weil Juba behauptet, Millionen an Öleinkommen verloren zu haben, will die Regierung in zwei Wochen die Ölförderung einstellen und kein Öl durch den Norden nach Port Sudan fließen lassen. Der Druck, eine alternative Pipeline durch Kenia zum Hafen von Lamu zu bauen, wächst. Inzwischen befürchten die Länder Ostafrikas, dass die Spannungen zwischen den beiden Sudans zum offenen Kampf führen könnten.
Ein Jahr nach dem Unabhängigkeitsreferendum (9. Januar 2011) ist die anfängliche Euphorie verflogen. Nicht nur Konflikte mit Khartum über Grenze und Erdöl, sondern auch Stammeskämpfe innerhalb des Landes erschüttern den jungen Staat. Der schlimmste kriegerische Zwischenfall seit der Unabhängigkeit war kürzlich der Ansturm auf Pibor in der Jonglei Provinz, wo es um Viehdiebstähle und Racheakte ging. Es wird von tausenden Toten berichtet. 50,000 Menschen seien auf der Flucht. UN-Blauhelme sind im Einsatz und der Flüchtlingskommissar hat zu umfassenden Hilfsaktionen aufgerufen.
Bein Angriff auf ein Dorf in der Jonglei Provinz starben 41 Menschen, die meisten von ihnen Frauen und Kinder, die in den Hütten verbrannt wurden, in die sie sich geflüchtet hatten. Jonglei ist berüchtigt für ethnische Kämpfe und Rinderdiebstahl.
Der Südsudan beschuldigt den Norden, Öl beim Transport zum Hafen am Roten Meer „zurückzuhalten“. Khartum versicherte einen reibungslosen Transit. Das Missverständnis sei aufgekommen, weil angeblich der Süden Transitkosten in Millionenhöhe nicht bezahlt haben soll.
In den vier Monaten seit der Unabhängigkeit ist die Ölförderung um 25% gefallen. Mangelnde Fachkräfte und nicht ausgeführte Reparaturen sowie die aktiven Rebellengruppen in den Grenzgebieten beeinträchtigen die Arbeit. Dazu kommt, dass die beiden Staaten sich noch nicht darauf geeinigt haben, wie sie den Ölreichtum teilen wollen. 75% der Reserven liegen im Südsudan, doch Pipeline, Raffinerien und Export-Terminal sind im Norden.
Ein mit Zivilisten besetzter Bus detonierte eine wahrscheinliche Anti-Panzer Mine. Es ist noch nicht klar, ob die Mine von alten Kampfhandlungen herrührt oder neu gelegt wurde. Nicht alle Rebellengruppen haben das Amnestie Angebot von Präsident Salva Kiir angenommen.