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Diesmal ist es ein islamistischer Kleriker, der in Kairo zu elf Jahren Haft und Arbeitslager verurteilt wurde, weil er während gewaltiger Proteste eine Bibel öffentlich zerfetzte und verbrannte. Blasphemie ist in Ägypten strafbar.
Präsident Mursi will nicht von Krieg sprechen, erklärte aber, dass „alle Optionen offen sind“, wenn durch den Bau des äthiopischen Staudamms am Blauen Nil die Wasserversorgung seines Landes gefährdet wird. Mehr als die anderen Länder der Region ist Ägypten mit seinem Wüstenklima und einer schnell wachsenden Bevölkerung vom Nilwasser abhängig. Kritiker sehen in Mursis aggressiver Rhetorik eine willkommenen Gelegenheit, die Aufmerksamkeit des Landes von den ernsten politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen abzulenken.
Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt hat der Präsident solch eine Genehmigung erteilt. Das koptisch-orthodoxe Gotteshaus soll im Norden des Landes errichtet werden und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht sein. Der Antrag soll schon vor 17 Jahren gestellt worden sein. Die Genehmigung wurde vom koptischen Papst Tawadros II. begrüßt.
Nicht wissend, dass es eine live-Sendung war, haben Politiker in einem Krisengepräch mit Präsident Mursi militärische Drohungen und Aktionen vorgeschlagen, um Äthiopien vom Bau der Talsperre über den Blauen Nil abzuhalten. In Ägypten, Äthiopien und dem Sudan hat diese versehendliche Veröffentlichung eine Welle von Spott und Wut ausgelöst.
Nach dem Tod mehrerer Christen in Kairo hat der koptische Patriarch, Tawadros II. Präsident Mursi „Fahrlässigkeit“ im Umgang mit der christlichen Minderheit des Landes vorgeworfen. Die Zusicherung des Präsidenten, alles zu tun, um die Markus Kathedrale zu schützen, könne nach den Übergriffen von letzter Woche nicht mehr ernst genommen werden. In der zweitausendjährigen Geschichte der Christenheit in Ägypten sei der Angriff „beispiellos“ gewesen. International haben die anti-christlichen Vorfälle Besorgnis ausgelöst.
Als man in der Kairoer Markuskathedrale der vier getöteten Kopten vom Vortag gedachte, kam es zu neuen Zusammenstößen. Wütende Teilnehmer riefen Anti-Regierung Parolen und wurden mit Steinen und Brandsätzen beworfen. Auslöser der Gewalt am Samstag sollen Graffiti gewesen sein, die christliche Kinder auf ein muslimisches Schulzentrum sprühten. Präsident Mursi rief die Ägypter auf, „alles zu unterlassen, was die Sicherheit und den Zusammenhalt der Nation bedrohen könnte“.
Hunderte Muslime überrumpelten in der südägyptischen Stadt al-Wasta die Läden von Christen und beschuldigten sie, ein muslimisches Mädchen entführt zu haben. Es gäbe jedoch keinen Anlass zu dieser Vermutung, meint der Staatsanwalt. Bekehrungen zum Christentum, muslimisch-christliche Liebschaften und der Bau einer Kirche sind immer noch Anlass zu Angriffen.
Wütende Bürger haben zwei mutmaßliche Diebe wegen einer gestohlenen Rikscha verprügelt und mit den Füßen nach oben aufgehängt. Beide Männer starben. Eine Woche zuvor hatte der Generalstaatsanwalt Zivilisten ermutigt, Verbrecher zu verhaften und der Polizei zu übergeben.
Der Himmel über Kairo war schwarz mit Schwärmen von Millionen Heuschrecken, die alles zerstören, was grün ist. Bei der letzten großen Plage in 2004 wurden 38% der ägyptischen Ernte vernichtet. Laut Experten soll das Ursprungsland der Insekten der Sudan sein. Inzwischen sind die Schwärme unterwegs nach Saudi Arabien und Palästina.
Vier Tote und mindestens 420 Verletzte kosteten die neuesten Zusammenstöße, in denen Tausende demonstrierten, als die Polizei die Angeklagten in den blutigen Fußball-Krawallen vom vergangenen Jahr verlegen wollte.

Zitat

„Wir müssen die Zeit nutzen,
um auf einen radikalen Wandel hinzuarbeiten...

Wir haben in diesen Wochen gelernt,
dass wir auf einem kranken Planeten nicht gesund leben können."

Erklärung des Jesuitenordens in Europa

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