Millenniumentwicklungsziele MDGs - Grenzen und SchwächenDie Zielsetzung der Millenniumserklärung ist allgemein anerkannt und entspricht weitgehend den Prinzipien der christlichen Soziallehre. Die acht Millenniumsziele kommen jedoch unter Kritik. Kritische Stimmen merken an, dass MDGs eine Reihe von Schwächen und Lücken hat, sowohl in den Zielen und Indikatoren als auch bei den konkreten Umsetzungsstrategien.
Kritikpunkte
Die MDGs sind minimalistisch. Armut muss nicht nur halbiert, sondern eliminiert werden. Die quantitativen Ziele sind nicht so ambitioniert, wie es viele NGOs für nötig halten, und bleiben hinter den Zielvorstellungen bestehender internationaler Abkommen und Vereinbarungen, wie des Weltsozialgipfels von Kopenhagen, zurück. Auch wenn die MDGs erreicht werden, werden 2015 immer noch 900 Millionen Menschen in extremer Armut leben. Die Zielvorgaben oder Indikatoren sind zu vage und oft schwer überprüfbar. Durchschnittseinkommen sind ein ungenauer Indikator für Armut. - Die MDGs stellen nicht die neo-liberale Wirtschaftsideologie in Frage, die selbst eine der Hauptursachen der Armut in der Welt ist. Die strukturellen Ursachen, wie das Schuldenproblem, die unfaire Welthandelspolitik und die Rolle des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, bleiben unangetastet. Umweltfragen sind schwach und ohne konkrete Angaben formuliert. Die Konzentration auf wenige Ziele verhindert ein radikales Umdenken in der Politik auf ein ökologisch tragfähiges und sozial gerechtes Entwicklungskonzept.
- Die präzisen Vorgaben der MDGs beziehen sich im Wesentlichen auf die Entwicklungsprozesse in den Entwicklungsländern des Südens. Die Hauptverantwortung der Industriestaaten des Nordens bleibt vage.
Antworten: Verfechter der MDGs weisen darauf hin, dass die acht Millenniumsentwicklungsziele keine vollständige Vision von Entwicklung sind. Sie sind Mindestvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben und müssen immer im Kontext der Millenniumserklärung gesehen werden. Diese setzt einen sehr weiten Rahmen für ökologisch und sozial verträgliche Entwicklung.
Es bleibt, dass die MDGs nur ein erster, wenn auch wichtiger Schritt, auf dem Weg zu einer gerechteren Welt sind. Langfristiges Ziel ist die Verwirklichung der Menschenrechte, vor allem der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte.Trotz ihrer Grenzen und Schwächen bieten die MDGs eine große Chance, weil sich Regierungen auf die Erreichung messbarer Fortschritte verpflichtet haben. Sie stellen einen gemeinsamen, verbindlichen Bezugsrahmen der Völkergemeinschaft dar. Aufgabe der Zivilgesellschaft ist es, die Politik immer wieder an dieses Versprechen zu erinnern.
"Umweltfragen sind in den MDGs nur schwach verankert und ohne konkrete Vorgaben formuliert."
Bernard Walter, Inkota Brief; Juni 2005
"Die Ziele zeigen ein verengtes Entwicklungsverständnis und bleiben vage hinsichtlich der Verantwortung der Industrienationen."Jens Mertens, Inkota Brief, Juni 2005
(Gegenüber dem Weltsozialgipfel in Kopenhagen) "stellen die MDGs einen klaren historischen Rückschritt dar... und sind ein entwicklungspolitisches Armutszeugnis."
Daniela Setton, Inkota Brief, Juni 2005 |
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