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Ursachen: Woher das plötzliche Interesse an Land?

Verursacht wurde der Ansturm auf Landbesitz vor allem durch die verschiedenen Krisen der letzten Jahre.

Eine fatale "Biosprit"-Politik

Erdölpreise von über 150 Dollar pro Barrel und Russlands Drohungen, den Gashahn zuzudrehen, machten allen europäischen Ländern bewusst, wie abhängig unsere Wirtschaft von den begrenzten Öl- und Gasvorkommen sind. Die Suche nach nachhaltigen Energiequellen wurde intensiviert. Neben Sonnen- und Windenergie ist eine mögliche Energiequelle die Produktion Ethanol und Biodiesel aus nachwachsenden Pflanzen, wie Zuckerrohr oder Jatropha. Um die Entwicklung von "Biosprit" zu beschleunigen, haben die EU und Deutschland im Jahr 2007 Beimischungsquoten von 'Biosprit zu fossilem Treibstoff festgelegt, die auf Grund begrenzter Flächen in Europa nur durch den Import von Biomasse aus Entwicklungsländern gedeckt werden kann. Die Länder des Südens und Unternehmen wittern die Chance, auf dem neuen internationalen Markt das große Geld zu verdienen.
Wälder werden gerodet, um Zuckerrohr-, Palmöl- und Jatrophaplantagen anzulegen. Der Anbau von Energiepflanzen konkurriert mit der Nahrungsmittelproduktion. Die USA verwerten bereits ein Drittel ihrer Maisproduktion für Sprit. Wo die einheimischen Anbauflächen nicht ausreichen, sucht man Land anderswo. Afrika ist da besonders attraktiv auf Grund hoher Sonneneinstrahlung und vermeintlich ungenutzter Flächenreserven. 

Eine dramatische Nahrungsmittelkrise
Im Jahr 2007 verdoppelten sich die Preise für die Grundnahrungsmittel Mais, Weizen und Reis. Länder wie die Golfstaaten und Südkorea, die den Großteil ihrer Lebensmittel importieren müssen, waren davon besonders betroffen. Sie berechneten, dass es sicherer und billiger sei, selbst die nötigen Nahrungsmittel zu produzieren, anstatt sie wie bisher auf dem Weltmarkt zu kaufen. Auch China und Indien mit über einer Milliarde Menschen wollen die Ernährungssicherheit für ihre Bevölkerung durch eine Verlagerung der Lebensmittelproduktion ins Ausland sicherstellen.

Eine weltweite Finanzkrise
Die enormen Verluste auf den Immobilienmärkten lassen Investoren Ausschau halten nach sicheren und profitablen Investitionen. Die wachsende Weltbevölkerung, die Auswirkungen der Klimakrise, die Grenzen der grünen Revolution machen es wahrscheinlich, dass die Nahrungsmittelpreise in den nächsten Jahren steigen werden. Große Investmentfonds wie Goldmann Sachs, Stanley Morgan oder Black Rock und viele andere sind ebenfalls auf der Jagd nach Land als einer sicheren Kapitalanlage und eine Quelle hoher Profite durch die Produktion von Nahrungsmitteln für den Weltagrarmarkt.

"Eine Menge Kapital ist derzeit frei. Es sucht nach einem Ort, wo es sich vermehren kann."
Spiegel 31/2009

Ländliche Armut und Landflucht
Zugleich ist zu beobachten, dass die traditionelle Landwirtschaft in Afrika in große Schwierigkeiten gerät:
  • Die Liberalisierung des Handels mit Agrargütern, die von der WTO und der EU (EPAs) betrieben wird, setzt die Produkte der lokalen Kleinbauern der Konkurrenz durch ausländische und oft subventionierte Nahrungsmittel aus dem Ausland aus. Sie verlieren ihre Märkte und gehen bankrott.
  • Die junge Generation hat oft eine bessere Schulbildung, ist nicht mehr interessiert an der traditionellen Landwirtschaft und sucht anderen Lebensmöglichkeiten in den explodierenden Großstädten Afrikas. In den Dörfer bleiben die Kinder und die Alten.
  • Kleinbauern haben kaum eine Chance, ihre Interessen gegen die Macht von Investoren und Regierung durchzusetzen. In den meisten afrikanischen Staaten fehlen die Rechtsstrukturen und legale Expertise, um Landrechte so wie soziale und ökologische Standards zum Schutz der ländlichen Bevölkerung durchzusetzen.
Das Resultat ist eine Bereitschaft, Land aufzugeben und in die Städete abzuwandern, eine Entwicklung, die Landübernahmen durch ausländische Investoren begünstigt.