Zur Homepage
   Themen:
· Themen Überblick
· Landnahmen
  Überblick
  Spiritualität und Kultur
  Beispiele
  Ursachen
  Folgen
  Motive
  Forderungen
  Links und Doks
· Agrartreibstoffe
· Ernährungssouveranität
· Grundeinkommen - Bürgergeld
· Millenniumsziele
· Entschuldung
· EPAs
· Aids
· Kleinwaffen
· Kindersoldaten
· Wasser
· Patentrechte
· EU-Zucker
   Suche
   
  Erweiterte Suche
   Kontakt
   Rundbrief
   Abkürzungen
   Links
   Impressum
   Intern
 
Netzwerk Afrika  > Themen  > Landnahmen

0906 Jatrophaplantage0906 Jatrophaplantage

Motive: Warum verschenken Regierungen ihr Land?

Die Motive von Investoren sind bekannt. Sie wollen maximale Profite. Die Gründe der ausländischen Regierungen, die Land pachten oder kaufen, ist durchsichtig. Sie wollen die Nahrungssicherheit ihrer Bevölkerungen durch Produktion im Ausland sicherstellen. Was aber sind die Beweggründe, die afrikanische Regierungen veranlassen, die oft wichtigste Ressource Land  wegzugeben, ohne dass ein nachhaltiger Nutzen für die Allgemeinheit sichtbar ist? Die Ausbeutung der Bodenschätze ist bereits unter Kontrolle ausländischer Konzerne. Land ist oft die letzte verbleibende Ressource. Neben Korruption werden mehrere Gründe genannt.

  • Arbeitsplätze

    Politiker in Afrika, wie in Europa, stehen unter einem enormen Druck, Arbeitsplätze zu schaffen. Eine immer besser gebildete Jugend, die oft die Mehrheit der Bevölkerung darstellt, schreit nach Arbeit. Ohne die Perspektive eines Arbeitsplatzes, so schlecht bezahlt er auch sein mag, ist Massenarbeitslosigkeit eine soziale Zeitbombe. Politiker müssen bei der nächsten Wahl ihr Mandat rechtfertigen. Ausländische Investition scheinen der schnellste und einfachste Weg, Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.

  • Frisches Kapital
    Die Finanz- und Weltmarktkrise hat die Entwicklungsländer noch härter getroffen als die Industrieländer. Schon die hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise von 2007 hat die finanzielle Lage der importierenden Länder strapaziert. Das Angebot von Land zu attraktiven Bedingungen ist eine Weise, Kapital anzuziehen.

  • Marktzugang
    Ausländische Konzerne sind bereits auf den internationalen Märkten etabliert. Ausländische Investoren eröffnen einen Zugang zu Märkten, die dem lokalen Produzenten verschlossen bleiben.

  • Infrastrukturverbesserung
    Da die landwirtschaftlichen Investitionen durch ausländische Konzerne meistens dem Export dienen, ist es notwendig, die Infrastruktur auszubauen: Straßen, Eisenbahnlinien oder Hafenanlagen. Davon versprechen sich Regierungen einen Schub für die gesamte Wirtschaft. Allerdings dienen die neuen Verkehrswege mehr den Interessen der Exportfirmen als Bedürfnissen der einheimischen Bevölkerung.

  • Korruption
    Dass bei vielen Land-Deals Korruption im Spiel ist, zeigt die Intransparenz, die die meisten Verträge auszeichnet. Abkommen über Hunderttausende von Hektar werden weder vom Parlament debattiert noch in den Medien diskutiert. Auch die betroffene Bevölkerung wird nicht konsultiert und vor vollendete Tatsachen gestellt.

  • Planungsdefizite
    In vielen Regierungen mangelt es an staatsmännischer Voraussicht, langfristiger Planung und einer Verantwortung für das Gemeinwohl. Die Lösung einer augenblicklichen Krise oder die Interessen von Lobbygruppen erhalten Vorrang vor einer nachhaltigen Entwicklung des Landes.

  • Weltbankpolitik
    Weltbank und Internationaler Währungsfond machen Druck auf Regierungen, die Bedingungen für Investoren zu erleichtern. Landnutzungsgesetze werden gegen die Interessen der ländlichen Bevölkerung und zu Gunsten von Investoren geändert. Bestehende soziale und ökologische Bestimmungen werden aufgehoben.

  • WTO Regulierungen
    Viele Entwicklungsländer haben die Abkommen der Welthandelsorganisation (WTO) (z. B. das Agreement on Trade Related Aspects of Investment Measurers) unterzeichnet, die ausländischen und einheimischen Investoren die gleichen Chancen einräumen, und so den Spielraum von Regierungen gegenüber Investoren stark einschränken.  Das kann auch für regionale Handelsabkommen gelten.

"Neu an diesem Kolonialismus der zweiten Generation ist, dass die Länder sich freiwillig erobern lassen."    Spiegel 31/2009