Landnahmen: Positive und negative Folgen
Positive Effekte von Investitionen in LandwirtschaftLandwirtschaft ist die Grundlage für Entwicklung für die meisten Länder Afrikas. Ländliche Entwicklung war keine Priorität afrikanischer Regierungen, vor allem in Ländern, die auf Grund von Rohstoffexporten die nötigen Nahrungsmittel importieren könnten. Viele Großstädte auf dem Kontinent sind von importierten Lebensmitteln abhängig. Auch die europäische Entwicklungspolitik hat die ländliche Entwicklung bis vor kurzem sträflich vernachlässigt. Angesichts der Unterentwicklung der Landwirtschaft in vielen Teilen Afrikas und der wenig genutzten Landflächen scheinen ausländische Investitionen in landwirtschaftliche Projekte wünschenswert. - Frisches Kapital und moderne Technik können zur Modernisierung und zur Produktionssteigerung beitragen.
- Die Infrastruktur wird ausgebaut.
- Es werden neue Arbeitsplätze geschaffen.
- Ausländische Investoren haben Zugang zu den internationalen Märkten, die dem einheimischen Produzenten verschlossen bleiben.
- Konzerne besitzen das technische Know-how und die Managementfähigkeiten, um die international akzeptierten Produktionsstandards zu erreichen.
Dennoch verbergen sich hinter den Landkäufen und Agrarinvestitionen der letzten Jahre hohe Risiken für die Zukunft.
Soziale und ökologische RisikenWenn man sich fragt, in wie weit die ärmeren Bevölkerungsschichten von Investitionen profitieren, zeigt sich, dass sie in vielen Fällen die Verlierer sind. - Landkonzentration ist Machtkonzentration
Die Konzentration von immer mehr Land in der Hand von immer weniger Eigentümern bedeutet eine immer größere Konzentration der Macht in der Gesellschaft. Die Mehrheit der Bevölkerung, von allem Frauen, werden dadurch immer mehr marginalisiert.
- Vertreibung der einheimischen Bevölkerung
Wenn ausländische Unternehmen große Landflächen übernehmen, werden die ansässigen Bauern oft von ihrem Land vertrieben. Da ihr Land durch traditionelles Landrecht verwaltet wird, aber nicht im Katasteramt registriert ist, haben sie keine gesetzlich einklagbaren Ansprüche auf Kompensation. Mit dem Verlust ihrer Existenzgrundlage sind sie gezwungen, in die Slums der Städte abzuwandern.
- Verlust von Arbeitsplätzen
Regierungen sind an landwirtschaftlichen Investitionen interessiert, weil sie davon viele neue Arbeitsplätze erhoffen. Diese Erwartungen werden oft nicht erfüllt, weil der Anbau stark mechanisiert ist, und weniger Arbeitsplätze schafft als durch die Vertreibung von Bauern verloren gehen. Auf der höheren Verwaltungsebene, und im Fall von China selbst für die unteren Kader, bringen ausländische Konzerne ihr eigenes Personal mit.
- Gefährdung der Nahrungssicherheit
Ausländische Investitionen in Landwirtschaft werden für den Export in die Heimatländer oder auf den Weltmarkt getätigt. Das fruchtbare Land geht der Produktion für die einheimischen Binnenmärkte verloren. Verringerte Inlandsproduktion führt zu höheren Preisen, die sich benachteiligte Bevölkerungsschichten, vor allem in den Städten, nicht mehr leisten können. Die Folge sind größere Armut und mehr Hunger.
- Beeinträchtigung der Wasserversorgung
Plantagenwirtschatf erfordert in trockeneren Gebieten Bewässerung. Da Investoren beim Zugang zu Wasser auf Kosten der Bevölkerung bevorzugt werden, entstehen Wasserkonflikte. Ärmere Stadtviertel werden von der Wasserversorgung abgeschnitten, um die Blumenindustrie zu versorgen. Selbst Flüsse werden umgeleitet, um Plantagen in anderen Gebieten zu bewässern (z.B. der San Fransisco Fluss in Brasilien)
- Soziale Konflikte
Land hat eine hohe wirtschaftliche und emotionale Bedeutung und damit ein hohes Konfliktpotenzial über Generationen hinweg. Auch wo Landnahmen legal getätigt wurden, aber von den Eigentümern als illegitim gesehen werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Medienberichte über Landnahmen durch den südkoreanischen Konzern Daewoo lösten 2008 in Madagaskar einen Regierungssturz mit aus. Plantagen auf enteignetem Land in Benin wurden schon in den 90er Jahren von den ehemaligen Besitzern zerstört. Die Konzentration von Land in wenigen Händen bei gleichzeitigem Anwachsen der Zahl von Landlosen und Arbeitslosen ist Zündstoff für gewaltätige Revolutionen.
- Generationenungerechtigkeit
Manche Länder, wie Ruanda, haben schon jetzt eine hohe Bevölkerungsdichte. Andere Länder, wie Sambia, sind wenig bevölkert, aber verdoppeln ihre Bevölkerung alle 20 Jahre. Das Land, das jetzt für bis zu 99 Jahren verpachtet wird, wird bald als Ressource für die kommenden Generationen benötigt werden.
- Ökologische Schäden durch Monokulturen
Hohe Investitionen in Landwirtschaft lohnen sich nur bei großflächigem, industriellem Anbau, der einen Einsatz von Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln mit sich bringt. Während Kleinbauern Umwelt schonend produzieren, zerstören Monokulturen die Artenvielfalt und schädigen die Böden. Die Erfahrungen in Brasilien zeigen, dass eine langjährige Ausbeutung von fragilen Böden durch Monokulturen am Ende eine Wüstenlandschaft hinterlassen. Pestizide gelangen oft ins Grundwasser und vergiften die Flüsse. Wo Wälder für Großplantagen gerodet oder Feuchtgebiete entwässert werden, kann dies das Klima dramatisch verändern.
"(Die Abkommen) fördern ein industrielles Modell von Landwirtschaft, das Armut und Umweltzerstörung zur Folge hat, und den Verlust der Artenvielfalt, die Umweltverschmutzung durch chemische Farmprodukte und genetisch veränderte Organismen verschlimmert." Grain |
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