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Netzwerk Afrika  > Themen  > Landnahmen

Land in Afrika - Spirituelle, kulturelle und soziale Dimensionen

Die Säkularisierungsprozesse der Neuzeit haben dazu geführt, dass in europäischen Gesellschaften Land als ein kommerzieller Faktor und Landwirtschaft als eine wirtschaftlich produktive Arbeit gesehen wird. Hinzugekommen ist in den letzten Jahrzehnten ein wachsendes Bewusstsein der ökologischen Bedeutung von Landnutzung.

Land und Spiritualität
In traditionellen afrikanischen Gesellschaften hat Land eine spirituelle, fast mystische Bedeutung, ist Teil der Identität der Gruppe und des Einzelnen und beeinflusst stark die sozialen Strukturen. Es bedeutet Heimat, Ort der Ahnen, Raum für individuelle Verwirklichung. Dies wird in einem Dokument der Afrikanischen Union (AU) vom April 2009 deutlich ausgedrückt:

"Für die große Mehrheit der Gesellschaften in Afrika wird Land nicht einfach als ein wirtschaftliches und ökologisches Gut angesehen, sondern als eine soziale, kulturelle und ontologische Ressource. Land bleibt ein wesentlicher Faktor in der Konstruktion einer sozialen Identität, bei der Organisation des religiösen Lebens und der Produktion und Reproduktion von Kultur. Die Verbindung zwischen den Generationen ist letztlich bestimmt durch die Land Ressourcen, die Familien, Verwandschaften und Gemeinschaften mit einander teilen und kontrollieren. Land findet seine volle Bedeutung in der Spiritualität der Gesellschaft. Dies sind Dimensionen, die eine Landpolitik berücksichtigen muss, wenn veränderte Richtlinien verinnerlicht werden sollen.

African Union und Economic Commission for Africa, Framework and Guidelines on Land Policy in Afrika, 2.5.1

Land und Gender
Das gleiche Dokument betont auch, dass die traditionelle, patriarchalische Kultur dort hinterfragt werden muss, wo sie mit den Menschenrechten in Konflikt steht. Das betrifft vor allem die Benachteiligung von Frauen, wenn es um Landbesitz und Erbschaft von Land geht, die oft den männlichen Familienmitgliedern vorbehalten sind. Landrechte müssen deshalb mit der African Charter on Human and Peoples Rights (ACHPR) in Einklang gebracht werden.
"Es ist notwendig, existierende Regeln über Landbesitz zu dekonstruieren und durch neue Konstrukte und Konzepte zu ersetzen sowohl im Gewohnheitsrecht wie im kodifizierten Recht in einer Weise, die den Zugang und Kontrolle von Land für Frauen stärkt, aber auch die familiären und sozialen Netzwerke respektiert."
African Union und Economic Commission for Africa, Framework and Guidelines on Land Policy in Afrika, 2.5.2

Marginalisierte Gruppen
Besonders problematisch sind die Landnutzungrechte für indigene Minderheiten, wie den San in Botsuana oder den Batwa in Zentralafrika. Ihr Lebensraum, ob Wüste oder Regenwald, wird von der modernen Entwicklung immer mehr beansprucht und damit zerstört. Auch nomadische Völker, die keine klar definierten Nutzungsflächen kennen, sind in ihrer traditionellen Lebensweise bedroht. Die Rechte solcher traditionell lebenden Gruppen und die Entwicklungspläne von Regierungen und ausländischen Investoren führen oft zu Spannungen und offenen Konflikten. Die Ansprüche der Tradition und der Moderne in Einklang zu bringen, ist keine leichte Aufgabe.