Lange hatten die afrikanischen Länder nach der Unabhängigkeit die Förderung der einheimischen Landwirtschaft vernachlässigt. Politiker
waren mehr interessiert an Billligimpoten zur Versorgung der politisch
einflußreichen Städter, als an Förderung der politisch wenig
interessanten Bauern.
Die meisten Menschen in Afrika halten importierte Produkte für besser als lokale Erzeugnisse. Die
afrikanischen Politiker erkennen nach und nach ihre Verantwortung für
die Kleinbauern ihrer Länder und deren Wichtigkeit für die
Gesamtentwicklung. Deshalb versuchen sie, durch Koalitionen und
Absprachen (G-33 und G-90) Druck bei den internationalen
Agrarverhandlungen und bei den WTO Ministertreffen zu machen. "Für
die Verbesserung der Lebenssituation von kleinbäuerlichen Produzenten
ist nicht nur der Erhalt bzw. die Wiedergewinnung des Zugangs zum
einheimischen Markt entscheidend, sondern auch die Erreichung fairer
und stabiler Preise für die produzierten Lebensmittel. Der Weltmarkt
für Agrargüter ist in den letzten Jahren vielfach charakterisiert durch
einen enormen Preisverfall: für Kaffee um 66%, für Reis um 43%, für
Baumwolle um 39%, für Kakao um 30%, für Weizen um 20%. Ein wesentlicher
Grund dafür ist das Überangebot auf dem Weltmarkt. Der
zu beobachtende Preisverfall bedeutet bei einer Liberalisierung der
Agrarmärkte für die Einkommen der Kleinbauern eine zweifache
„Bedrohung“. Zum einen drohen ihre produzierten Lebensmittel durch die
billigeren Importe substituiert zu werden; sie verlieren ihre
Absatzmärkte, zum anderen werden die inländischen Verkaufspreise für
ihre produzierten Lebensmittel gedrückt. Problematisch
ist der Preisverfall aber auch wegen des dramatischen Verlusts von
Exporteinnahmen in Ländern, die zum größten Teil abhängig von diesen
Exporten sind. Bei mehr als 50% der Entwicklungsländer machen 3-4 oder
weniger landwirtschaftliche Rohstoffe die Hälfte ihrer Exporte aus. 37%
dieser Länder werden von IWF und Weltbank als hochverschuldeteLänder
eingestuft. Sie sind am schwersten vom Preisverfall betroffen". Auszüge aus: "Entwicklung statt Freihandel" Wiggerthale, Oktober 2004
|