Nigeria: Geschichte in AuszügenArchäologische Funde weisen daraufhin, daß das Gebiet des heutigen Nigeria schon vor mehr als 2000 Jahren ein Zentrum bedeutender Kulturen war. 500 v.Chr. – 200 n.Chr. Blüte der Nok – Kultur auf dem Jos-Plateau.Terrakotta-Figuren sind die ältesten Zeugnisse des kulturellen Lebens in dieser Region. 9. Jh. In der Tschadsee-Region entsteht das Reich Kanem-Borno (heutiges Nordnigeria). 10. Jh. Die Konföderation Sanhadja zerfällt. Die Haussa-Staaten Kano, Katsina und Zaria entwickeln eine ausgeprägten Stadtkultur und übernehmen eine Schlüsselfunktion im Handel mit Kanem-Borno, Mali, Marokko uns Südnigeria. 11. Jh. Ume, König von Kanem tritt zum Islam über. 12. Jh. Entstehung kleinerer Yoruba-Königreiche im SW mit dem religiösen Mittelpunkt IleIfe und dem politischen Zentrum Oyo. Etwa zeitgleich entwickelt sich weiter östlich das Königreich Benin. 14. Jh. Beginn der Islamisierung der Haussa-Staaten. 1472 Landung portugiesischer Seefahrer an der Küste. 16. Jh. Das Königreich Benin verkörpert eine beachtliche Wirtschaftskraft und erlebt seine Blütezeit. 17. Jh. Blüte des Sklavenhandels. Die im Osten lebenden Igbo haben keine zentralistischen Herrschaftssysteme, sondern leben in basisdemokratisch verwalteten Dorfgemeinschaften, betreiben Ackerbau und engagieren sich für den Fernhandel. Durch die wachsende Nachfrage nach billigen Arbeitskräften für die Plantagen in Übersee steigert sich der Sklavenhandel, dem zunächst die Igbo, dann aber auch die Yoruba zum Opfer fallen. Der Tausch- und Sklavenhandel stärkt die Kleinstaaten an der schwer zugänglichen Küstenregion im Südosten, wo die blühenden Handelsstädte Calabar und Bonny entstehen. 1851 Großbritannien beginnt Nigeria in ihr Kolonialreich einzugliedern. 1861 Lagos wird britische Kolonie. 1885 Die Berliner Konferenz erkennt das Niger Gebiet als britisches Protektorat an. 1896 Die Briten kontrollieren das Yoruba-Land bis Ilorin. 1900 Gründung der britischen Protektorate Nord- und Südnigeria. 1914 Zusammenschluß von Nord- und Südnigeria in eine einheitliche Verwaltungseinheit "Nigeria", durch Generalgouverneur Frederick Lugard. 1929 -1930 Westlich gebildete und christlich sozialisierte Nigerianer aus Lagos bilden die erste antikoloniale Vereinigung "Nigerian National Democratic Party" (NNDP). 1944 Gründung der ersten politischen Partei, National Council of Nigeria and the Cameroons (NCNC) auf ethnisch- regionaler Basis (Igbo, Yoruba., Haussa-Fulani). 1946 Bildung einer Kolonialföderation mit einer Nord- (Haussa-Fulani), West- (Yoruba) und Ostregion (Igbo). 1949 Gründung der Haussa-Fulani Partei Northern Peoples`Congress (NPC). 1951 Gründung der Partei Action Group (AG). 1954 Politische, wirtschaftliche und kulturelle Autonomie der Regionen. 1955 Die Parteien des Südens (N:C:N. im Osten, Action Group im Westen) fordern die Unabhängigkeit. Der Norden widersetzt sich und organisiert feindliche politische Demonstrationen. 1956 Königin Elisabeths Besuch bekräftigt die Idealvorstellung vom Commonwealth. 1957 Die Konferenz in London ernennt den ersten Mann der N.P.C., den Sarduna von Sokoto, El Hadj Aboubakar Tafawa Balewa, als ersten föderativen Premierminister. 1960 Ausrufung der Unabhängigkeit. 1963, 01. Okt. Proklamation der Republik. Erster Präsident der bisherige Generalgouverneur Namdi Azikiwe. 1964 Die aus der Kolonialzeit resultierende Dominanz der drei Mehrheitsvölker führt immer häufiger zu Zusammenstößen mit sich unterdrückt fühlenden Minoritäten. 1966, 15. Jan. Machtübernahme durch das Igbo-dominierte Militär unter General Aguyi-Ironsi nach bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Ermordung von nordnigerianischen Politikern der gestürzten Staatsführung. 1966, 29. Juli Eine von Nordnigerianern dominierte Militärjunta unter General Yakubu Gowon übernimmt die Macht, außer im igbo-dominierten Südosten. Ein Großteil der Igbo- Offiziere wird ermordet, darunter auch General Agusyi-Ironsi. 1967, 27. Mai Aufteilung Nigerias in 12 Bundesstaaten. Das Erdölgebiet im Nigerdelta liegt außerhalb der administrativen Kompetenz der Igbo. 1967, 30. Mai Ausrufung der unabhängigen Republik Biafra im Igbo-Gebiet durch Oberst Ojukwu. 1967, 06. Juli Beginn des Biafrakrieges (etwa 1-2 Mio. Todesopfer). 1970,15. Jan. Kapitulation Biafras. Die föderative Militärregierung startet ein Wiederaufbau- und Versöhnungsprogramm. Staatliche Einheit Nigerias wieder hergestellt. 1972 Nigerianisierung der Wirtschaft. Mit mehr als100 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr steht Nigeria an erster Stelle der schwarzafrikanischen Produzenten, an sechster Stelle in der Weltproduktion. 1974, 18. Mai Staatliche Mehrheitsbeteiligung an allen Niederlassungen internationaler Erdölkonzerne. Steigende Erdölpreise lösen einen Wirtschaftsboom aus. 1975, 29. Juli Nach Putsch gegen General Gowon übernimmt General Murtala Muhammed die Macht. 1976,13. Febr. Tod von Murtala bei gescheitertem Putsch. Sein Stellvertreter, General Olusegun Obasanjo übernimmt die Macht. 1979, 01. Okt. Shehu Shagari gewinnt die Präsidentschaftswahlen. Seine NPN stellt die stärkste Fraktion im Senat und Repräsentantenhaus. Die Militärs geben die Regierungsverantwortung ab. 1980/1981 Korruption, und Verelendung ganzer Bevölkerungsgruppen und katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse verschärfen die sozialen Spannungen. 1982/1983 Erneute Finanzkrise. Die regierende NPN kann die Wahlen nur durch Manipulation noch einmal für sich entscheiden. 1983, 31. Dez Machtübernahme durch das Militär unter General Buhari. 1985, 27. Aug. Palastrevolte. Ein reformorientierter Flügel des Militärs übernimmt die Macht unter Generalmajor Ibrahim Badamasi Babangida. Einführung der Strukturanpassungsmaßnahmen. 1989 Verabschiedung einer neuen Verfassung (ein am amerikanischen Vorbild orientiertes Präsidialsystem mit zwei Parteien). 1991Die Zahl der Bundesstaaten wird auf 30 erhöht. Parlamentswahlen in den Bundesstaaten. Verlegung der Hauptstadt von Lagos nach Abuja. 1993, 12.06.Präsidentschaftswahlen verlaufen erfolgreich, doch Staatschef Babangida annulliert sie nach dem Sieg des Oppositionskandidaten Moshood Abiola (Ende der "3. Republik") 1993, August Babangida tritt zurück. Zivile Übergangsregierung unter Leitung von Chief Shonekan. 1993, Nov. Chief Shonekan wird von Verteidigungsminister General Sani Abacha zum Rücktritt gezwungen, Diktatur und außenpolitische Isolation 1995, Nov. Hinrichtung des Schriftstellers und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwas; daraufhin Verschärfung der Sanktionen von EU und USA, Botschafter der EU und USA und auch von Polen, Ungarn, Russland usw. werden zeitweise zur Berichterstattung zurückberufen. Suspendierung der Commonwealth-Mitgliedschaft. 1998, 08.06.Tod von Sani Abacha, der gemäßigte General Abdulsalami Abubakar übernimmt die Macht: Entlassung aller politischen Gefangenen, Aufruf zur Bildung von politischen Parteien. 1999, 27.02.Früherer Staatschef Olusegun Obasanjo gewinnt Präsidentschaftswahlen. 1999, 29.05.Amtseinführung Präsident Obasanjos, Beginn der "4. Republik" 2003, April/Mai Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, in denen Präsident Obasanjo für eine zweite Amtszeit von vier Jahren bestätigt wird. 2006, Mai Gesetzesvorlage zur Änderung der Verfassung von 1999 mit ca. 120 Novellierungen und Neuerungen scheitert im Parlament; der Vorschlag, dem Staatspräsidenten eine zweite Wiederwahl zu ermöglichen, wird abgelehnt. 2007, April Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2007, 29.05. Der Kandidat der Regierungspartei PDP, Umaru Musa Yar'Adua, wird als Staatspräsident vereidigt. 2007, Juli Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, bestehend aus PDP, ANPP und AC |