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Nigeria
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Nigeria  > Kirche

Verlautbarungen und Stellungnahmen der katholischen Kirche in Nigeria

1990, April

Am Schluß ihrer Frühjahrsversammlung geben die katholischen Bischöfe eine Erklärung heraus, in der sie der Regierung die Mitarbeit der Kirche im sozialen und wirtschaftlichen Bereich anbieten. Sie verweisen dabei auf das weite Netz an Strukturen und Diensten, über das die Kirche vor allem in ländlichen Bereich die öffentlichen Einrichtungen unterstützen kann. Die Erklärung nimmt Bezug auf die wiederholten Appelle der Regierung an die Religionsgemeinschaften, mit ihren sozialen Einrichtungen auf allen Ebenen mit der Regierung zusammenzuarbeiten.

Die Bischöfe nehmen in ihrem Schreiben auch Stellung zur wirtschaftlichen Krise des Landes und erklären, daß eine Zusammenarbeit nur dann möglich ist, wenn die Regierung gewährleiste, daß die Lage der Armen sich verbessere und die Last der wirtschaftlichen Entwicklung auf die Schultern aller verteilt wird.

1991, Juni

Islamische Fundamentalisten verursachen durch die Zerstörung von christlichen Einrichtungen in den Bundesstaaten Katsina und Bauchi große Unruhen.

1991,12.Juni

Der Bischof von Jos, Msgr.G.Ganaka verurteilt die unmenschliche Gewalt in einem Hirtenbrief zusammen mit der nigerianischen Bischofskommission für Gerechtigkeit und Frieden und betont ausdrücklich, daß die schweren Unruhen nicht allein auf Stammesunterschiede zurückgehen, sondern vor allem auf unterschiedliche religiöse und politische Anschauungen. Bischof Ganaka fordert die Regierung des Staates Bauchi auf, die zerstörten Gebäude wieder aufzurichten, die geschädigten und zur Flucht gezwungenen Bauern zu entschädigen.

1991, November

1991, 14.-16. Oktober

Schwere Unruhen in Kano: Menschen werden getötet, christliche und islamische Kultstätten zerstört.

1991, November

Die Leitung der Erzdiözese Kaduna veröffentlicht einen Bericht über die Gründe wiederholter Gewalttätigkeit und religiöser Intoleranz. Das Schreiben weist daraufhin, daß die religiöse Diskriminierung die Ursache der Gewalttaten ist.

"Solange der christlichen Religion kein Raum in den offiziellen Kommunikationsmittel zugestanden wird und Christen benachteiligt werden, wird intolerantes Verhalten gegenüber anderen religiösen Gemeinschaften provoziert", soweit die Leitung der Diözese.

1995, 05. Dezember

Das Abschlußdokument der Vollversammlung der Gefängnisseelsorger wirft ein Licht auf die menschenunwürdigen Zustände in den Gefängnissen. Die Erklärung geht auch auf die Frage nach politischen Häftlingen ein. Zu den international heftig umstrittenen Hinrichtungen von neun Männern aus der Ogoni-Region, die sich für Menschenrechte und Umweltschutz eingesetzt hatten, sagt der Text: "Das absolute Gesetz Gottes verbietet zu töten. Nach den Hinrichtungen wird Nigeria nie mehr sein wie zuvor."

1997, 21. Februar

Erklärung der Jahresvollversammlung der Bischofskonferenz. "Jesus Christus: Die soziale Herausforderung". In ihrem Schreiben nehmen die Bischöfe Stellung zu den dringenden Problem der Gesellschaft und Nation, und erinnern die Regierung an die Zusage, das Land zu demokratischen Ordnung zurückzuführen. Sie fordern alle auf, die sowohl in der Kirche als auch in der bürgerlichen Gesellschaft einflußreiche Positionen haben, sich in den Dienst der Menschen zu stellen – "Daß Führung Dienst bedeutet, ist nicht nur ein Ideal des christlichen Evangeliums. Es ist auch gültiges Prinzip und Bedingung für eine gute Regierung, ein Prinzip, von dem unsere politischen Führer oft nur ein Lippenbekenntnis ablegen. Wenn wir unsere Bestrebungen nach nationaler Größe verwirklichen sollen, dann müssen jene, die uns regieren wollen, den ehrlichen Willen haben und unbeirrbar versuchen, dem Volk zu dienen. Das ist von entscheidender Bedeutung, da wir uns nun in einer weiteren Periode des Übergangs zu einer Zivilregierung befinden...", soweit die Erklärung der Bischofskonferenz.

1997,12.September

In einem Appell an die Militärregierung fordert die Bischofskonferenz die Beschleunigung des Demokratisierungsprozesses und die Freilassung der politischen Gefangenen. In ihrem Dokument verurteilen die Bischöfe die Gewalttaten, Korruptionen und Plünderungen und klagen die Mängel im Erziehungs- und Gesundheitswesen an, die dazu beigetragen hätten, daß ein Großteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben würde.

1998, 21. – 23. März

Papst Johannes Paul II. zu Besuch in Nigeria. Anlaß seines Pastoralbesuches ist die Seligsprechung des ersten nigerianischen Priesters Tansi. Seine Reise hat keine direkte politische Zielsetzung. Als Oberhaupt der katholischen Kirche nimmt der Papst aber jede Gelegenheit wahr, Zeugnis zu geben vom Reich Gottes, welches auf ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden hinzielt. Während seines Besuches wird der Papst in nigerianischen Tageszeitungen als "der Mann der Versöhnung" bezeichnet. Selber betont der Papst mit Nachdruck:" Versöhnung führt zur Solidarität, die für die ganzheitliche Entwicklung der Gesellschaft notwendig ist. Die Versöhnung ist der einzige Weg, der Nigeria und ganz Afrika zu wahrem Frieden und Fortschritt führen kann."

1998, 12. Sept.

Im Hirtenbrief "Ein Hoffnungsschimmer " äußern die Bischöfe ihre Hoffnung auf eine politisch transparentere und demokratischere Zukunft des Landes, und weisen unter anderem auf die entscheidende Rolle der Politiker im Übergangsprozeß hin:" Politiker sollten an die Wahl mit einem gesteigerten Bewußtsein der Verantwortung und des Patriotismus herangehen und das Wohl des Volkes über ihre persönlichen, oder parteilichen Interessen stellen. In besonderer Weise sollten sie es geflissentlich unterlassen, niedrige, auf Stamm oder Ethnie bezogene Gefühle zu benutzen, wenn sie auf Stimmenfang gehen. Wir möchten hier in Erinnerung rufen, was wir 1983 in unserem gemeinsamen Hirtenbrief zu den nigerianischen Wahlen sagten: "Wir ermutigen christliche Laien mit einer Begabung für die schwere, aber edle Kunst der Politik, sich dafür bereitzustellen, denn wir glauben, daß die heilige Aufgabe des Christen, den Hungernden Nahrung, den Dürstenden Wasser, den Obdachlosen Wohnraum, allen Menschen Schulen und Krankenhäuser zu verschaffen, durch aktive Teilnahme an der Politik unterstützt werden kann; sie macht sie auf breiter Ebene verfügbar, durch demokratische Strukturen".

1999, 26. Februar

Thema der Jahresvollversammlung der Bischöfe " Die Korruption in Nigeria: Konsequenzen für den Aufbau der Nation". In der Abschlußerklärung heißt es: "Wir sind uns schmerzlich bewußt, daß die Korruption sich tief in das Gewebe der nigerianischen Gesellschaft hineingefressen hat. Sie wurde so beherrscht, daß viele sie nun als die "nigerianische Lebensweise", oder nigerianische Art Dinge zu lösen, akzeptieren. Das sozioökonomische und politische System selbst scheint auf Korruption aufgebaut zu sein. Sogar die Kirche und andere religiöse Organisationen sind selbst nicht vollständig frei von Korruption. Es ist offensichtlich, daß die Korruption Nigeria und den Nigerianern unermeßlichen Schaden zugefügt hat. Ihre Auswirkungen auf die Nation waren zahlreich, alle davon negativ. Sie hat unter anderem eine gravierende Unfähigkeit der öffentlichen Einrichtungen verursacht und das Vertrauen der Menschen in diese Einrichtungen untergraben. Wir verurteilen Korruption in all ihren Formen und Ausmaßen, da sie ein Affront gegen die Würde des Menschen , wie es dargestellt ist in der Bibel, in der Tradition des Christentums und im Lehramt der katholischen Kirche. Korruption ist die Verneinung der christlichen Berufung, hier auf Erden ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens zu errichten .

1999, 10. September

Erstes Treffen der Bischöfe seit der Wiedereinführung der demokratischen Regierungsform .Thema der Zusammenkunft sind die Chancen und Risiken der Demokratie. In ihrer Abschlußerklärung schreiben die Bischöfe: "Die neue Regierung hat bei den Menschen Hoffnungen auf eine bessere Politik und auf die Verbesserung des Schicksals jedes Nigerianers geweckt. Das zeigt sich in ihrem Entschluß, den Mangel abzustellen, und in ihrem Versuch, jedem Teil der Nation das Gefühlt zu geben, in Vereinbarungen des Bundes einbezogen zu sein. Die Einsetzung verschiedener Kommissionen, um die Untaten der vergangenen Militärregierungen zu beleuchten, läßt die Hoffnung aufkommen, daß die Regierungen dem Volke gegenüber für ihre Staatsverwaltung zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Wohlergehen der Menschen ist die Existenzberichtigung der Regierung. Deshalb muß jede Regierungsebene ernsthaft die Probleme in den Bereichen der Sicherheit, Beschäftigung, Gesundheit, Bildung und öffentlicher Versorgungsbetriebe in Angriff nehmen, um das Vertrauen der Menschen in die Regierung wieder herzustellen und aufrechtzuerhalten.

Trotz der Probleme und Unzulänglichkeiten, mit denen wir noch immer konfrontiert sind, sollte die Hoffnung der Nigerianer unantastbar bleiben. Aus diesem Grund müssen wir erneut unser Vertrauen auf unsere Fähigkeiten bekräftigen, den Herausforderungen des demokratischen Prozesses gegenüberzutreten. Konfrontiert mit Problemen und Schwierigkeiten, sollten wir nicht aufgeben oder zur Gewalt greifen. Diese sollten uns vielmehr zur Geduld erziehen und uns zum Dialog und zu Erneuerung anspornen.

2000, 18. März

Die Bischöfe fordern den Dialog mit dem Islam. –"Unsere Opposition gegen die Einführung der Scharia in Nigeria mindert auf keine Weise unsere Bereitschaft zum Dialog mit dem Islam und seinen Anhängern", schreiben die Bischöfe. Sie versichern , daß sie sich weiterhin für die Förderung der guten Beziehungen zwischen Christen und Muslimen einsetzen werden und fordern die Regierung auf alle Religionen gleich zu behandeln, insbesondere wenn es um den Bau von Kultstätten, Religionsunterricht und den Zugang zu den Medien gehe.

2000, 28. Febr.

In einem Schreiben bittet der Erzbischof von Abuja Msgr. John Onaiyekan den Präsidenten Obasanjo entschiedene Maßnahmen gegen die verfassungswidrige Einführung der Scharia zu unternehmen

2000, 18. März

In ihrem Hirtenbrief" "Das Jubiläum und die nationale Versöhnung" rufen die Bischöfe alle Nigerianer auf, dieses Jubeljahr zu nutzen, um für die Versöhnung zu arbeiten. "Die Ereignisse in unserem Land, schreiben die Bischöfe, bekräftigen die Notwendigkeit einer nationalen Versöhnung. In den Herzen der Bürger gibt es tiefe Wunden und Verletzungen. In Ausübung unserer prophetischen Rolle können wir nicht umhin die Ungerechtigkeiten anzuprangern, die die Brüche und Spaltungen in unserer Gesellschaft verursachen. Wir anerkennen die Bemühungen der Regierung bei der Verringerung der Armut als einen Schritt in die richtige Richtung. Wir fordern aber auf allen Ebenen eine vernünftige Verwaltung der nationalen Ressourcen. Wir treten ein für einen Erlaß der Schulden armer Länder, darunter Nigeria, durch reiche Nationen. Wir appellieren an jeden wohlhabenden Nigerianer, den Schrei der Armen und Ausgegrenzten in unserer Mitte zu beachten und ihre Not zu lindern, indem sie mit ihnen im Geist der Solidarität teilen. Denn Gottes Großzügigkeit gilt nicht nur dem Einzelnen allein, sondern der Entwicklung aller".

2001, 14. September

DAS GEMEINWOHL SUCHEN In der Erklärung der Bischofkonferenz werten die Bischöfe die demokratische Entwicklung des Landes und drücken ihre Besorgnis über die Einführung der Sharia in mehreren Bundesstaaten aus durch die "Menschen getötet und verstümmelt und weitere Tausende aus ihren Wohnungen und von ihren Arbeitsplätzen vertrieben werden." Sie bestehen auf die säkulare Natur des nigerianischen Staates.

2002, Februar

HEALING THE WOUNDS OF THE NATION (, eine Stellungnahme der Bischöfe zur augenblicken Situation. Die Bischöfe analysieren die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Probleme Nigerias und machen Vorschläge, wie Regierung und Kirche Abhilfe schaffen kann.

2002, September

In einer sieben Punkte umfassenden Erklärung fordern die katholischen Bischöfe Staatspräsidenten Obasanjo auf, einen ihm vorliegenden Bericht über Menschenrechtsverletzungen zu veröffentlichen. Sie verlangen zudem, die Einberufung einer Nationalkonferenz, auf der die Ursachen aller schwelenden Konflikte zur Sprache kommen sollen. Die Bischöfe beklagen Unregelmäßigkeiten bei der Verschiebung der Wahlen für die Lokalregierungen.

2003, September

IAnläßlich der jährlichen Konferenz veröffentlichten die Bischöfe eine Erklärung, in der sie über die letzten Wahlen und die Probleme der bedrohten Kommunalverwaltung sprechen. Die Bischöfe nehmen Stellung zur Krise im Niger-Delta, dem Abtreibungsproblem und dem andauernden Sharia-Streit in den nördlichen Provinzen.